Islam

  • Erklärung der Initiative „Religionsfrei im Revier“ zum Islam

    Berit & Manfred Such

    Religionen und Frieden

    Gläubige, gleich welcher Religion, sind überzeugt, dass Religion Frieden bringt, Frieden erhält, und viele lassen sich sogar überzeugen, dass Religion den Weg ins ewige Paradies ebnet. Letzteres kann glauben wer will, aber schon aus unserer Geschichte wissen wir, dass Religion weder zum Frieden geführt, noch wesentlich zu seiner Erhaltung beigetragen hat.

    Seit das Christentum Staatsreligion wurde, wird die europäische Geschichte im Namen der Religion immer wieder von Entmündigung, Unterdrückung, Ausbeutung, Mord und Krieg geprägt. Mit der christlichen Staatsreligion fällt ein Schatten über Europa.* Erst mit der Reformation begann ein Prozess des Nachdenkens, der zunächst in mörderischen Auseinandersetzungen zwischen nun zwei christlichen Strömungen und damit Machtblöcken führte. Mit der Aufklärung und den Forderungen der französischen Revolution begann die Säkularisierung der Gesellschaft, die zu einer Verdrängung des Religiösen aus dem öffentlichen Raum führte. Dieser Prozess ist fließend und noch lange nicht abgeschlossen.

    Die von den Philosophen der Aufklärung beschriebenen Werte des Humanismus’ reklamieren die christlichen Kirchen heute für sich. Es wird verschleiert, dass Inhalte des Christentums nach wie vor konträr zum Humanismus stehen. Werte, wie Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung, die von den Kirchen heute als christliche Werte bezeichnet werden, mussten gegen den Widerstand der Kirchen erkämpft werden. Dieser Kampf ist bis heute nicht abgeschlossen. Mit dem an Einfluss gewinnenden Islam tritt in unserer Gesellschaft ein neuer Gegner im Kampf um die über Jahrhunderte erkämpften Grund-, Freiheits- und Menschenrechte auf.

    Darum kann Kritik am Islam, um den es hier geht, nur im Zusammenhang mit der Geschichte des Christentums und Religionskritik allgemein gesehen werden.

     

    Religion ist Privatsache

    Viele Gläubige, die sich als christlich bezeichnen, haben sich lange von den offiziellen „Lehren“ der Kirchen abgewandt und gehen in Glaubensfragen eigene Wege. Daneben hat sich eine neue Bewegung von selbstbewussten Atheisten entwickelt, die sich mehr oder weniger gegen christliche Einflussnahme wendet und mit einer Bandbreite von Gleichgültigkeit bis Entsetzen Toleranz gegenüber Gläubigen übt. Es wird gefordert, dass Religion zur Privatsache wird und ihr in der Öffentlichkeit nur der Raum zusteht, der ihr nach Bedeutung und gesellschaftlicher Stellung sowie aus ihrer Tradition gebilligt werden kann. Dieses kann aber nur zulässig und tolerierbar sein, soweit sich Gläubige selbstverantwortlich und ohne staatliche Unterstützung im Rahmen der freiheitlich, demokratischen Grundordnung bewegen.

     

    Trennung von Religion/Kirche und Staat

    Eine allgemein gesellschaftliche Unterstützung von Religionsgemeinschaften kann nur freiwillig und ohne staatliche Hilfe und schon gar nicht dadurch erfolgen, dass der Staat Aufgaben zum Vorteil von Religionsgemeinschaften übernimmt, z. B. auch deren Personal teilweise auf Kosten der Allgemeinheit bezahlt und dadurch andere Religionsgemeinschaften und Nichtreligiöse benachteiligt.

     

    Sonderrechte beseitigen, keine neuen Sonderrechte für Muslime

    Die Initiative Religionsfrei im Revier betrachtet mit Sorge Tendenzen, dem Islam ähnliche Sonderrechte einzuräumen, wie sie heute immer noch den christlichen Religionen eingeräumt werden. In einer Phase, in der endlich damit begonnen wird, Religionsunterricht immer mehr durch Ethikunterricht und vergleichende Religionskunde zu ersetzen, macht es keinen Sinn, islamischen Religionsunterricht an Schulen und islamische Theologie an Universitäten zu etablieren. Mit einem derart falschen Begriff von Gleichheit könnte man auch die Inquisition mit ihren Foltermethoden und Strafen wieder einführen, die ja zumindest islamistische Fundamentalisten, wo sie Regierungsmacht besitzen, noch immer praktizieren. Traditionelle Theologie, eine Scheinwissenschaft, sollte an staatlichen Universitäten keinen Platz haben und sollte durch kritische Religionsforschung ersetzt werden.

    Die Immigration von Menschen muslimischen Hintergrunds war in Deutschland in den Anfangsjahren einer Zuwanderungsbewegung kaum ein Problem. Vor dem Hintergrund multikultureller Vorstellungen war Zuwanderung begrüßenswert, und Integration zum Vorteil aller war und ist bis heute erwünscht.

    Mit dem Fortschreiten eines konfliktauslösenden, fundamentalistischen Islams in der Welt, der sich auch auf Integrationsbemühungen in Deutschland auswirkt, wird das friedliche Zusammenleben unter den Völkern und in den Gesellschaften erheblich gestört, wie die aus religiösen Konflikten entstandenen Kriege zeigen und der Terror mit islamreligiösem Hintergrund in den Gesellschaften erschreckend beweist.

     

    Der Islam bedroht freiheitlich demokratische Grundordnungen

    Extremer Islamismus fordert den „Gottesstaat“. „Gemäßigte“ Muslime fordern Rechte ein, die sie aus dem Islam herleiten und glauben, sie fordern zu müssen. Sie begründen diese Forderungen mit Gleichberechtigung und berufen sich auf Menschenrechte und das Grundrecht auf Religionsfreiheit.

    Während christliche Religionen nicht im Widerspruch zur „Europäischen Menschenrechtskonvention“ (EMRK) stehen, da sich ihre religiösen Inhalte in erster Linie auf die Ausübung der Religion im privaten Bereich beziehen und sich religiöse Darstellungen in der Öffentlichkeit mit den traditionell vorherrschenden Normen decken und im Rückzug begriffen sind, ergibt sich durch eine fortschreitende Islamisierung, mit teilweise aggressiv demonstrierten islamreligiösen Symbolen, ein neues Problem:

    Der Islam geht – weit stärker als das Kirchenchristentum – in seinen Auswirkungen über den privaten Bereich der Menschen hinaus. Er wirkt mit seinen Regeln – und er will das auch – gesamtgesellschaftlich. Diese Regeln begründen sich in der Scharia. Der Islam hat also viel größere Auswirkungen auf die Gesellschaft als die in unserer Gesellschaft etablierten christlichen Glaubensrichtungen. Damit dürften sich größere Spannungen im Zusammenleben der Menschen in westlichen Gesellschaften nicht vermeiden lassen.

    Zwar gibt es in islamischen Ländern auch Erklärungen zu Menschenrechten, allerdings werden diese dort unter Vorbehalt der Scharia gestellt. Am 05. 08. 1990 wurde von 45 islamischen Staaten die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte“ verabschiedet. Die Erklärung nimmt zwar weitgehend die Reihenfolge der Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte auf, schränkt sie aber „innerhalb der Grenzen der Scharia“ ein. Darum kann die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte“ von einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft nicht akzeptiert werden.

    Betrachtet man die praktische Anwendung der sich aus der Scharia ergebenden religiösen Regeln, so werden die Verstöße gegen unsere Menschenrechte und Konflikte mit unseren Rechtsnormen deutlich und, dass gem. Artikel 9 der EMRK das Recht auf „Ausübung von Geboten und Vorschriften“ einer Religion nach unseren Gesetzen nicht möglich sein dürfte:

    Ausdrücklich heißt der Koran die Polygamie für gut:

    Ein Mann kann sexuelle Beziehungen mit vier Ehefrauen und einer unbestimmten Zahl von Sklavinnen haben!

    Ein Mann kann ein sexuell unreifes Mädchen heiraten!

    Ein Mann kann seine Frau verstoßen, während der umgekehrte Fall nicht möglich ist!

    Das Zeugnis eines Mannes ist den zweier Frauen wert!

    Die Erbschaft einer Frau ist die Hälfte von der eines Mannes!

    Der Mann hat das Recht, seine Frau bei Ungehorsam zu schlagen!

    Apostasie wird mit dem Tode bestraft!“

     

    An vielen Orten wird auch der Ehebruch nach der Scharia mit Steinigung bestraft. **

     

    Islamische Ansichten und Praktiken sind überwiegend fremd in unserer Gesellschaft

    Weitere Probleme mit einer fortschreitenden Islamisierung ergeben sich aus Verhalten und Handlungen, die Gläubige aus dem Koran oder der Sunna ableiten und mit denen sich vermehrt bereits heute unsere Rechtsprechung auseinandersetzen muss:

    Die Gehorsamspflicht der Frau gegenüber ihrem Mann;

    das Recht des Vaters, über die Ehewahl seiner Tochter zu entscheiden oder sie zu verweigern; der Brauch, Mädchen früh zu verheiraten;

    das Sorgerecht des Mannes nach dem Verstoßen der Frau für Jungen ab 7 Jahre und Mädchen ab 12;

    die Autorität der Brüder über ihre Schwestern;

    die Zurückhaltung von Männern, um unter Aufsicht von Frauen zu arbeiten;

    die Weigerung des Mannes, seine Frau von einem männlichen Arzt behandeln zu lassen;

    die Weigerung, einer Frau die Hand zu geben;

    die Ablehnung des gemischten Schwimmens;

    die Ablehnung männlicher Bademeister beim exklusiven weiblichen Schwimmen;

    die Ablehnung eines muslimischen Fußballvereins, ein ordnungsgemäßes Fußballspiel gegen einen „homosexuellen“ Verein zu spielen;

    der von Eltern ausgeübte Zwang auf ihre Töchter, ein Kopftuch zu tragen;

    die Forderung von einigen muslimischen Frauen, ungeachtet der Kleiderordnung ein Kopftuch überall tragen zu können;

    die Forderung einiger, überall einen Niqab (voller Gesichtsschleier), ein Jilbab (langes verhülltes Kleid) oder eine Burka tragen zu können;

    die Forderung, ihren eigenen Gebetsraum in Schulen und anderen Institutionen zu haben;

    die Verpflichtung, in gemeinsamen Kantinen immer Halal-Fleisch zu bekommen;

    die Forderung, keine Lehrstunden über die Evolutionstheorie, Sexualkunde und den Holocaust (die Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten in Deutschland) zu bekommen;

    die Vorstellung der Homosexualität als störendes Fehlverhalten;“ ***

    sowie die Forderung, rituelle Körperverletzungen (Beschneidung) durchführen zu dürfen, usw.

    Viele dieser Forderungen werden auch von Muslimen in unserer Gesellschaft nicht gestellt und sie halten sie auch für unsere Gesellschaft für schwer akzeptierbar. Daneben erhöht sich offenbar die Anzahl so genannter „Strenggläubiger“ sowie Fundamentalisten bis hin zu Salafisten, die auf diese Forderungen und Verhaltensweisen nicht verzichten wollen und glauben, sich auf die bei uns gegen christliche Fundamentalisten schwer erkämpfte und auch durch diese nach wie vor gefährdete „Religionsfreiheit“ berufen zu können.

    Es dürfte in unserer Gesellschaft, die sich von einer dogmatisch-religiös geprägten Gesellschaft immer mehr zu einem evolutionär geprägten Humanismus entwickelt, kaum möglich sein, religiöse Ansichten und Praktiken zu akzeptieren, die von einem Islam geprägt werden, der sich in einer voraufklärerischen Phase befindet und sich, dem Feudalismus zugewandt, gegen freiheitliche, demokratische Grundordnungen richtet.

    Darum ist Kritik dringend erforderlich! Sie darf – wenn sie sich speziell auf die Rolle der gottesstaatlich ausgelegten Religion bezieht – nicht (von vorne herein) als Intoleranz, Islamphobie oder Rassismus diskriminiert werden!

     

    Zunehmende Intoleranz muslimischer Mitbürgerinnen und Mitbürger gegenüber einer aufgeklärten Gesellschaft

    Mit Sorge betrachten wir eine Entwicklung, die ein Klima der Intoleranz seitens einiger Muslime gegen Menschen anderer Religionen und besonders gegenüber „Ungläubigen“ schafft. Dafür sind die Ausschreitungen nach den so genannten „Mohammed Karikaturen“ nur ein Beispiel.

    Schon vermeintliche Kritik am Islam, kann offene Aggression auslösen, so wie ein Bekenntnis zum Atheismus gegenüber einigen Muslimen zu ernsthaften Bedrohungslagen führen kann.

    Für immer mehr Menschen in westlichen Gesellschaften werden allgemeingültige Regeln für (christliche) religiöse Bräuche (z. B. Tanzverbot und Autofahrverbot für Frauen in Saudiarabien) als Bevormundung und andere, nicht allgemeingültige (islamische), zunehmend auch als Belästigung (öffentliche Ramadanfeste, rituelle Schlachtungen) empfunden.

    Darum wird in Gesellschaften, in denen weitere Privilegien für Religionsgemeinschaften geschaffen werden, ein friedliches Miteinander nicht gefördert, sondern gefährdet.

    Für eine friedliche, tolerante und freiheitlich demokratische Gesellschaft fordert die Initiative Religionsfrei im Revier die strikte Trennung von Religion/Kirche und Staat, die schrittweise Rückführung sämtlicher vorhandener Privilegien für alle Religionsgemeinschaften. Die auf den Islam erweiterte Einführung von Privilegien ist abzulehnen. Sie verhindert deren notwendigen Abbau für die christlichen Kirchen und damit von den immer wieder zutage kommenden Missständen, die damit einhergehen und unserer Gesellschaft schon genug Probleme bereiten.

    * Rolf Bergmeier: Schatten über Europa, Alibri Verlag

    ** nach Etienne Vermeersch, Prof. für Philosophie, Universität Gent, aus Islam-Debatte 26. 11. 2010, Nr. 10739, HPD

    *** wie vor