Karfreitag darf getanzt werden

Die Initiative Religionsfrei im Revier hat bei der Bezirksregierung in Arnsberg beantragt, am Karfreitag eine Ausnahmegehmigung zu bekommen, um am Karfreitag den Film das „Leben des Brian“ im Rahmen „…einer besonders unterhaltsamen öffentlichen Veranstaltung einschließlich Tanz gegen die klerikale Bevormundung an so genannten stillen Feiertagen.“ zeigen zu dürfen. Die Bezirksregierung hat die Ausnahmegehmigung erteilt. Damit sind die Bestimmungen des Feiertagsgesetzes faktisch von der Bezirksregierung als bedeutungslos erklärt worden. Die Initiative Religionsfrei im Revier zeigt seit sechs Jahren am Karfreitag den Film „Das Leben des Brian“, um gegen die klerikale Bevormundung in unserer Gesellschaft zu protestieren. Die „Brian Chronik“. Die Vorführung von mehr als 700 Filmen ist am Karfreitag durch das Feiertagsgesetz verboten. Dies ist für religionsfreie Menschen eine Provokation. Schließlich ist es ein Merkmal von fundamentalistischen Staaten, dass sie auch Gesellschaftsmitglieder, die nicht der Staatsreligion angehören, zwingen, sich religiösen Normen zu unterwerfen und dass bei Verstößen Strafen drohen.

Die erste Aufführung des Filmes durch die Initiative vor sechs Jahren hatte in Bochum eine Bußgeldandrohung in Höhe von 1.000 Euro durch die Stadt Bochum zur Folge. Religionsfrei im Revier ging schließlich bis vor das Bundesverfassungsgericht (BVerG). Vor dem BVerG darf man aber erst klagen, wenn alle anderen Rechtsmittel ausgeschöpft sind. Im Feiertagsgesetz NRW gibt es eine Regelung, dass man Ausnahmegenehmigungen gegen die Verbote stellen kann. Das hatte Religionsfrei im Revier nicht gemacht. Der Rechtsweg war damit nicht ausgeschöpft und das oberste Gericht musste nicht über die Klage entscheiden. Es formulierte aber trotzdem eine ausführliche Stellungnahme, die in Frage stellte, ob etwas verboten werden darf, mit dem niemand gestört wird.
Bisher galt das Tanzverbot am Karfreitag als unantastbar. Dass die Bezirksregierung nach der Genehmigung der Vorführung eines verbotenen Films im letzten Jahr jetzt auch das Tanzen erlaubt hat, ist für Religionsfrei im Revier ein schöner Erfolg, der am Karfreitag gebührend gefeiert wird. Das Ziel bleibt aber weiterhin, dass Feiertagsgesetz vom obersten Gericht als verfassungswidrig eingestuft zu bekommen. „Vielleicht müssen wir im nächsten Jahr die Veranstaltung in einem anderen Regierungsbezirk durchführen, um ein Verbot zu erzwingen, das uns den Weg nach Karlsruhe frei macht“, so Religionsfrei im Revier.

Die Veranstaltung findet am Karfreitag ab 18 Uhr (Einlass) in der RIFF-Halle im Bermudadreieck in Bochum statt.
18.30 Uhr: antiklerikale Videos
19.30 Uhr: Das Leben des Brian
21,00 Uhr: Das Wort zum Karfreitag
21.05 Uhr: Tanz gegen das Feiertagsgesetz
23.00 Uhr: Auf Wiedersehen 2020

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12 Kommentare zu Karfreitag darf getanzt werden

  1. Es wäre meiner Meinung nach richtig, Staat und Kirche noch erheblich mehr voneinander zu treffen. Begriffe wie „Diktatur“ sind sicherlich übertrieben, aber es ist ja so dass hier Dinge bestimmt werden, die die Allgemeinheit betreffen und die im Grunde nicht zu rechtfertigen sind. Wir schreiben hier etwas fort gegen die gesellschaftliche Realität; es treten so viele Leute aus der Kirche aus wie noch nie; also lasst uns realistisch sein. Stille Feiertage braucht kein Mensch. Wir sind hier nicht im Iran oder Afghanistan. Und die Bezreg sieht das ja wohl auch so, erfreulicherweise.

  2. Pingback: Heidenspaß statt Höllenqual | Religion und Gesellschaft

  3. Dr. Armin Schreiner sagt:

    Liebe Leute,
    bevor noch mehr Kommentatoren mit dem unsinnigen Argument nerven, dass die Alternative zu kirchlichen Feiertagen sei, diese ersatzlos zu streichen, möchte ich gerne Folgendes klarstellen: Zum Glück gibt es in Deutschland eine Gesetzgebung, die den Schutz von Arbeitnehmerrechten im Blick hat (auch wenn diese durch das kirchliche Arbeitsrecht gelegentlich unterlaufen wird). Das ist eine gegen undemokratische Kräfte erkämpfte Errungenschaft, die sich die deutsche Bevölkerung sicherlich nicht nehmen lassen muss! Was spräche zum Beispiel dagegen, die kirchlichen Feiertage komplett durch weltliche zu ersetzen, die sich jeder Arbeitnehmer evtl. auch noch frei wählen darf? So hätte jeder Gläubige (wann immer sein Religionsstifter geboren oder ermordet wurde, seine Erleuchtung oder Auferstehung etc. pp. erfahren hat) die Möglichkeit, diesen Tag nach seiner Facon zu begehen – und religionsfreie Menschen hätten einfach mehr Urlaub! Alle glücklich!!!

  4. Lutz Zemke sagt:

    Ich bin sehr für die Religionsfreiheit und wir leben in einer säkularen und pluralen Gesellschaft.
    Ich bin sehr dafür, die christlich begründeten Wochenfeiertage abzuschaffen, damit dann wieder gearbeitet werden kann.
    Wer solche geschenkten Feiertage nicht mehr tolerant zu würdigen weiß, verdient die freien Tage nicht.
    Also: Es wird wieder in die Hände gespuckt und wir steigern das Bruttosozialprodukt…

  5. Gunnar sagt:

    Herr Unger, es herrscht halt ein gewisser Unterschied, wenn statt eines vielleicht angemessenen Bereiches um eine Kirche gleich ri­go­ros das ganze Land stillgelegt wird. Übrigens ist von uns auch kein Vergnügungszwang zu befürchten, um es mal zu überzeichnen.

  6. Jens Unger sagt:

    An Karneval wird meine persönliche Freiheit natürlich eingeschränkt. Innenstädte werden abgesperrt, meine Einkaufsmöglichkeiten werden beschränkt, usw.
    Das passiert auch bei großen Sportveranstaltungen. Trotzdem würde ich als Christ nicht auf die Idee kommen, dagegen zu klagen. Sollen sie feiern, ich ziehe mich in der Zeit zurück. Das ist gelebte Toleranz. Ewas ertragen, was man nicht mag.

  7. Manfred Such sagt:

    Hallo Martin Budich,
    Intolerante schreien immer am lautesten nach Toleranz, wenn ihre Intoleranz nicht toleriert wird.

  8. Simon Mann sagt:

    Herr Unger,
    kurzer Hinweis:
    Karneval ist ein katholisches Fest und der Beginn der Fastenzeit.
    Allerdings werde ich an Karneval zu etwas gezwungen, noch wird mir etwas aus religiösen Gründen verboten.
    Christen müssen lernen tolerant zu sein und aufhören sich ständig in die Opferrolle zu drängen.

  9. Hans Strohschein sagt:

    Sehr geehrter Herr Budich,
    mit dem 1. Gebot der Christen meinen Sie wahrscheinlich das erste der Zehn Gebote der jüdisch-christlichen Tradition. Dies steht im 2. Buch Mose, Kapitel 20, Verse 2 und 3, und lautet: „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägypten aus der Knechtschaft geführt hat. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“

    Dieses Gebot als „Gebot zur Intolerenz“ zu bezeichnen zeugt von Ihrer theologischen Inkompetenz. Gott wird hier als ein Gott beschrieben, der aus Knechtschaft und jeglicher Unfreiheit herausführen will. Gott will, dass wir Menschen in Freiheit leben und uns nicht an irgendetwas verlieren, was uns unfrei macht.
    Man kann es auch so sagen: Gott ist ein intoleranter Gott gegenüber allem, was uns Menschen die Freiheit nehmen will!

    Weiterhin zeugt es von einer unreifen Oberflächlichkeit, wenn Sie ChristInnen das Recht einräumen wollen, am „Karfreitag depressiv“ zu sein. Eine Depression ist eine schlimme Krankheit und treibt leider immer wieder Menschen in den Suizid. So auch eine junge Frau aus meinem Bekanntenkreis, die ihre beiden Kinder dann mit in den Tod genommen hat. Nehmen Sie nie wieder das Wort „depressiv“ in den Mund, wenn Sie eine normale Traurigkeit meinen oder die Stimmungslage der Christen an Karfreitag!

    An Karfreitag geht es übrigens darum, dass ein Mensch namens Jesus für Liebe, Gerechtigkeit und Freiheit eingetreten ist und sich auch nicht durch seine Ermordung davon hat abbringen lassen. Dabei glaubte er Gott an seiner Seite, eben jenen Gott der Freiheit aus dem 1. Gebot, der den Menschen mit grenzenloser Liebe begegnet und für Gerechtigkeit und Frieden eintritt.

    Alles, was sonst gesagt werden muss, hat Frau Kranz bereits in ihrem Artikel getan.

    Dann fröhliches Tanzen (ums goldene Kalb)!

  10. Jens Unger sagt:

    Und was ist mit Karneval? Da werden im Rheinland ganze Innenstädte abgesperrt und Einkaufs- und Arbeitsmöglichkeiten genommen, nur weil die Narren feiern wollen. Ich wüsste nicht, dass Christen oder Nichtkarnevalisten dagegen geklagt hätten. So etwas nennt man Toleranz. Ich ertrage einfach, dass an ein paar Tagen mal die Interessen von anderen über meine gestellt werden, und trete einen Schritt zurück.
    Ihnen aber geht es nur darum, ihrer Verachtung gegenüber Gläubigen Ausdruck zu verleihen. Eine kindische Trotzreaktion von intoleranten Kleingeistern? Oder ein verzweifeltes, letztes Aufbegehren gegen den immer stärkeren Einfluss von christlichen und islamischen Fundamentalisten in diesem Land?
    Wünsche einen ruhigen Karfreitag.

  11. Martin Budich sagt:

    Hallo Frau Kranz,
    was ist an dem Satz falsch, gegen den Sie sich wenden: „Schließlich ist es ein Merkmal von fundamentalistischen Staaten, dass sie auch Gesellschaftsmitglieder, die nicht der Staatsreligion angehören, zwingen, sich religiösen Normen zu unterwerfen und dass bei Verstößen Strafen drohen.“
    In was für einer Gesellschaft leben wir, wenn aufgeklärte Menschen, die nicht an 2000 Jahre alte Märchen glauben wollen, mit Strafe bedroht werden, wenn sie sich nicht den überkommenen christlichen Normen beugen wollen.
    Denken Sie manchmal darüber nach, wer hier eigentlich tolerant und wer intolerant ist. Ich würde mich immer dafür einsetzen, dass alle ChristInnen das Recht haben sollen, am Karfreitag depressiv zu sein und ungestört über die Ermordung ihres Religionsstifters zu trauern.
    Seien Sie doch einfach so tolerant und schreiben aufgeklärten Mensch nicht vor, was sie an dem Tag zu tun und zu lassen haben.
    Ist Ihnen bewusst, dass das erste Gebot der Christen, das Gebot zur Intoleranz ist?

  12. Eva Kranz sagt:

    Ich finde es nicht in Ordnung das Sie unseren Rechsstaat (und ja, das ist er , trotz einiger Ecken und Kanten) tatsächlich fundamentalistisch (=Diktatur) nennen.
    Der Begriff Staatsreligion ist nicht richtig, weder Christentum noch der Islam noch der Jüdische Glauben, der Hinduismus oder der Buddhismus wird den Einwohnern der Bundesrepublik vorgeschrieben.
    Ja, das Feiertagsgesetz umfasst in der Tat Vorschriften zum Umgang mit christlichen Feiertagen- als Nebenschauplatz des Gesetzes. Und? Ist das tatsächlich wichtig an jedem Tag des Jahres im übertragenen Sinne „Tanzen“ zu dürfen? Kann man das alles nicht mal gelassener sehen?
    Und: der Kerninhalt betrifft den Arbeitnehmer,- und Familienschutz, und das ist tatsächlich wichtig. Eigentlich ist doch nur ein wenig Respekt und Toleranz vor anderen (wie auch immer Sie anders definieren) nötig.
    Haben WIR alle in dieser Gesellschaft im 21 Jhd. nicht wichtigere Probleme zu lösen als eine vermeintliche Bevormundung von Atheisten in einer vermeintlichen Diktatur zu artikulieren?
    Sind ein paar stille Tage direkt eine Norm der man sich „unterwirft“ (herbe Worte die zu einem Unrechtsstaat passen) ? Kann es sein daß Sie die eigentlichen Fundamentalisten sind ? Bevor Sie jetzt vor Wut schäumen- ich bin ebenfalls nicht gläubig und ein stiller Feiertag beeinträchtigt mich nicht.

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